Teure Party

Ein Mann in Konstanz wollte seinen Geburtstag am Bodenseeufer feiern und rief über eines der immer beliebter werdenden sozialen Netzwerke auf, mit ihm zusammen zu feiern. Offenbar in Panik vor einem Massenauflauf legte die Stadt Konstanz mit aller bürokratischer Schärfe los. Sie verbot die Feier, mobilisierte vorsorglich ein großes Polizeiaufgebot und erwirkte beim Amtsgericht sogar einen Durchsuchungsbefehl gegen den Mann, bei dem sein Smartphone und sein Computer sichergestellt wurden.

Warum eigentlich?

Das weiß vermutlich keiner so genau, denn am Freitagnachmittag waren die Polizei Konstanz und das Pressereferat der Stadt nicht mehr erreichbar. Vielleicht schon im Wochenende? Oder auf dem Weg zu einer Feier am Bodenseeufer?

Immerhin war man vor Nichterreichbarkeit noch imstande, auf welchem Wege auch immer zu verbreiten, daß dem jungen Mann jetzt ein Zivilverfahren über 200.000 (in Worten: zweihunderttausend) Euro drohe.

Muß ja ein ganz schön gewaltiger Polizeieinsatz gewesen sein, wenn er so teuer sein soll.

Einsatzmäßig gelohnt hat er sich allerdings nicht; es erschienen ungefähr hundert Leute, die gern feiern wollten, von denen 31 einen Platzverweis bekamen. Warum, ist gleichfalls nicht bekannt.

Wenn ungeachtet dessen für einen ebenso fragwürdigen wie offenbar unnötigen Polizeieinsatz eine Rechnung eingeklagt wird, dann wird es für die Stadt richtig teuer. Sollte der Mann nicht zufälligerweise sehr wohlhabend sein oder besonders gut verdienen, würde er im Fall einer zivilrechtlichen Verurteilung wohl nicht einmal die Zinsen bezahlen können. Da gäbe es dann keinen Unterschied mehr zu Hartz IV, und angesichts der seelischen Belastung einer solchen Situation könnte der arme Mann durchaus depressiv und damit arbeitsunfähig werden. Dann aber dürfte die Stadt Konstanz für ihn bezahlen. So bei 8.000 Euro im Jahr für Wohnung und Existenzminimum, dazu noch medizinische Versorgung, sagen wir also mal vorsichtig 10.000 jährlich. Wenn es, wie berichtet, ein noch junger Mann ist, liefe das dann für die Dauer eines Arbeitslebens, das ansonsten vielleicht noch vierzig Jahre währen könnte. Da wäre die Bodensee-Stadt Konstanz dann eben auf lange Sicht gesehen mit 400.000 im Minus…. Vom Steuerausfall mal abgesehen. Das tut der Stadt ja nicht weh, sondern der Bundeskasse.

Unter diesen Umständen fragt man sich, ob man nicht lieber den verantwortlichen Beamten auf Schadenersatz verklagen sollte statt eines Mannes, der mit gerade mal hundert Gästen unter freiem Himmel seinen Geburtstag feiern wollte.

Aber auch wenn der etwas irrwitzige und rein wirtschaftlich nicht sonderlich nützliche Plan einer Zivilklage fallen gelassen wird: Allein die Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme seiner Kommunikationselektronik dürften bei dem guten Mann ernstliche Zweifel geweckt haben, ob er noch in einem Rechtsstaat lebt.

Wer nicht genug Feinde hat, schafft sich wohl selber welche.

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