Europas Geld für Syriens Rebellen

Die altehrwürdige Londoner „Times“ berichtet, sowohl europäische Staaten als auch ölreiche Golfstaaten bezahlten hochrangige syrische Überläufer der Assad-Regierung fürs Überlaufen.

Peinlich für Assad könnte gewesen sein, daß er einen neuen Regierungschef eingesetzt hat, der aber nur zwei Monate im Amt war. Dann zog es Riad Hidschab vor, mit seiner Familie aus dem Land abzuhauen. Daß er seine Familie mitgenommen hat, war wahrscheinlich eine gute Idee. Arabisch geprägte Länder werden oder wurden bisher nicht nur oftmals von Familienclans regiert, sondern haben auch eine gewisse Neigung zur Sippenhaft.

Und damit geht es letztlich nicht nur darum, daß eine einzelne Person mehr oder minder hochbezahlter Angehöriger einer Regierung ist. Es hängen auch Brüder, Vettern und wer weiß nicht alles mit daran, und aufgrund des bisher gewohnten Lebensstils wollen die wohl nicht unbedingt auf Hartz-IV-Niveau existieren.

Auch ein Vertreter der sogenannten freien Syrischen Armee bestätigte der „Times“, daß Bestechungsgelder geflossen seien. Er wird zitiert mit den Worten: „Westliche Geheimdienste sind ganz scharf darauf, Vertreter des Regimes abzuwerben.“

Da sage noch einmal einer, daß nicht Geld die Welt regiert….

Ein Teil dieser Gelder wird zweifellos aus reichen Golfstaaten wie Saudi-Arabien und Katar kommen, die ihrerseits nicht unbedingt als Musterbeispiele für Freiheit und Demokratie im westlichen Sinne anzusehen sind. Es sollen allerdings bei einem Treffen in Doha auch Vertreter europäischer Länder zugegeben gewesen sein, die mit diesem Kurs nicht nur einverstanden waren, sondern sich auch beteiligt haben. Ob dabei ein Vertreter der Bundesrepublik mit am Tisch saß und deutsche Steuergelder in den „Topf“ geworfen hat, ist nicht bekannt.

Bekannt geworden ist allerdings, daß die Bundesrepublik mindestens indirekt in diesen Bürgerkrieg verwickelt ist. Ein Aufklärungsschiff der Bundesmarine ist im Mittelmeer und lauscht nach Angaben des BND (Bundesnachrichtendienstes) mit seiner elektronischen Ausrüstung in Richtung Syrien. Bis zu 600 Kilometer ins Landesinnere hinein. (Wobei hauptsächlich wohl Funksprüche und Telefonate abgehört werden, oder andere Formen der Datenfernübertragung.) Da das Schiff zumindest nominell unbewaffnet ist, bedarf es keines Mandats des Bundestages. Es werden ja „nur“ Informationen übermittelt. Allerdings weiß jeder Sicherheitsexperte, daß Informationen bei verschiedenen Gelegenheiten militärisch sehr viel bedeutsamer sein können als eine Panzerbrigade, ein Flottenverband oder mehrere Staffeln Jagdflieger. Als kleines Feigenblatt für diese zumindest indirekte Beteiligung an einem Bürgerkrieg ist dann zu hören, die Informationen würden ja nicht direkt den Rebellen gegen die Assad-Regierung übermittelt, sondern unseren Verbündeten, den USA und Großbritannien beispielsweise. Daß diese sie an die Rebellen weiterleiten, liegt auf der Hand. Warum sitzt der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben im Knast? Weil er – über einen Mittelsmann – angeblich dem NSU eine Mordwaffe hat zukommen lassen. Wo, bitteschön, ist der Unterschied? Wenn man mal davon absieht, daß mit dieser Waffe angeblich neun Menschen getötet worden sind, während eine Information über Stellung oder Vorhaben von Truppen sehr leicht zum Tod von neunzig oder neunhundert oder noch mehr Menschen führen kann?

Wieder einmal ist es also ein verdeckter, ein schmutziger Krieg, der da geführt wird, mit tatkräftiger Hilfe, elektronischer und logistischer Unterstützung von NATO-Staaten. Wer im Vorfeld des 1. bzw. 3. September 1939  von deutscher Seite her an so etwas beteiligt gewesen wäre, hätte sich sehr leicht auf der Nürnburger Anklagebank der alliierten Sieger wiederfinden können. Aber die Verantwortlichen aus europäischen Staaten – möglicherweise einschließlich der BRD – werden sich darüber eher wenig Gedanken machen. Sie dürfen davon ausgehen, eher zu den Siegern als zu den Verlierern zu gehören. Und gegen Sieger gibt es üblicherweise keine Kriegsverbrecherprozesse….

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