Herr Gauck macht sich Mut

„Wir sind zehnmal mehr als die Braunen – das macht Mut“. So wird Bundespräsident Joachim Gauck von mehreren Medien zitiert.

Zunächst einmal: richtig Mut braucht’s wohl nicht, um sich mit der vermeintlich erdrückenden Mehrheit gegen die vermeintlich winzige Minderheit zu stellen. Das traut sich jeder, sogar ein notorischer Feigling. Mut braucht’s eigentlich eher, auf der Seite der Minderheit zu stehen! Ein ehemaliger Pastor sollte darüber eigentlich ein wenig was wissen. Aber vielleicht vergißt man im Alter. Der Herr Präsident steht ja auch schon im achten Lebensjahrzehnt.

Aber unabhängig von diesen eher ethischen Überlegungen: Woran möcht Herr Gauck diese von ihm in den Raum gestellte Zahl festmachen? An der von ihm geforderten Zivilcourage? Beispielsweise, wenn die „gesellschaftlich relevanten Organisationen“ es schaffen, zehnmal mehr Demonstranten auf die Straße zu bekommen als rechte oder rechtsradikale Organisationen? Oh, da scheint es für den einen oder anderen schon eher zivilcouragiert, NICHT an einer solchen „anti-braun-Demo“ teilzunehmen.Wenn beispielsweise ganze Schulklassen schulfrei bekommen, um als Staffage aufzumarschieren, wie Herr Gauck das aus der DDR wohl noch kennt. Der Schüler, der dann lieber ins Freibad geht oder zuhause ein Computerspiel macht, ohne auf der Straße bunte Luftballons hochzuhalten oder mehr oder minder sinnige anti-rechts-Plakate in die Luft zu halten, könnte ein Problem mit der Benotung bekommen. Und das nicht nur in Gesellschafts- oder Sozialkunde… Oder was ist mit dem Ladeninhaber, der höflich aufgefordert wird, ein Plakat „Wir sind bunt statt braun“ in sein Schaufenster zu hängen? Muß er nicht befürchten, boykottiert zu werden, wenn er es nicht tut? So setzt sich das fort. Wenn ein Staat wie die originäre DDR oder die zur DDR 2.0 verkommende BRD Antifaschismus zur Staatsdoktrin macht, dann lebt couragiert nur noch, wer sich dieser Doktrin verweigert.

Und der Jesus Christus, dem Pastor Gauck sich beruflich und glaubesmäßig für so viele Jahrzehnte verschrieben hat, der würde heute wegen so mancher seiner biblisch hinterbrachten Äußerungen einer Anklage wegen Volksverhetzung entgegensehen. Was immerhin weniger tödlich ist, als auf Betreiben der Pharisäer von der römischen Besatzungsmacht ans Kreuz genagelt zu werden.

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