Hildesheim: Wie der Lauti „gemilchshaked“ wurde…

Hildesheim: Wie der Lauti „gemilchshaked“ wurde…

von Christian Worch

Als Mann in meinem Alter hat man es schwer, Anschluß an die jeweils aktuelle Jugendkultur zu behalten. Neue Moden kommen und gehen so schnell… Die allerneuste Mode – zumindest im politischen Bereich – scheint das milchshaken zu sein. Erstmals hörte ich am 20. Juli in Kassel davon. Jemand erzählte mir, die Linken hätten Matthias Sellner von der „Identitären Bewegung“ in Halle „milchshaken“ wollen, ihn aber nicht erwischt. Im ersten Moment hatte ich die Horrorvorstellung, man habe beabsichtigt, den armen Sellner in einen riesigen Shaker voller Milch zu stecken und ihn dann – wie bei einem Fahrgeschäft auf einem Jahrmarkt – so lange zu schütteln und zu shaken, bis er in Milch zur Hälfte oder gar zur Gänze ersoffen sei. So mörderisch war die Absicht aber nicht, wurde ich von jungen Kameraden belehrt. Milchshaken – logischerweise ein Verb, ein Tätigkeitswort – bedeutet, einer mißliebigen Person einen Milchshake ins Gesicht und/oder über die Kleidung zu schütten. Naja, man hat uns bei Demos ja schon mit rohen Eiern beworfen oder in einem Fall mal mit einer Torte, richtig slapstick, oder wie im Film „Bugsy Malone“. (Dessen Darsteller inzwischen auch schon überwiegend in meinem Alter sein dürften und wohl nicht mehr mit Torten werfen.) Warum also nicht auch Milchshakes? Besser klebrige Milch als rohe Kartoffeln mit langen Zimmermannsnägeln drin, wie die Linken sie bei Anti-NPD-Demos in den 60-er Jahren gern verwendet haben. Meine nächste – noch indirekte – Begegnung mit dem Phänomen des Milchshakens fand eine Woche später statt. Da las ich, von der Arbeit heimgekommen, daß in Hildesheim nach Ende einer Kundgebung der Lauti (=Lautsprecherwagen) gemilchshaked worden war. Das veranlaßte mich, mich mit diesem Phänomen näher zu befassen. Immerhin scheinen die Einschläge näher zu kommen. Erst Sellner (vergeblich), mit dem ich nix zu tun habe; dann der Lauti aus Dortmund, mit dem ich schon deutlich mehr zu tun habe. Und, wie sich später herausstellte, nicht nur der Lauti, sondern durch die geöffnete Scheibe sogar zwei Mitglieder des gleichen Bundesvorstandes, dem auch ich angehöre!!!

Also kontaktete ich einen Kameraden, der gut zehn Jahre jünger ist als ich. Nein, sagte der mir, soooo viel habe er in seinem auch nicht mehr völlig frischen Alter mit der jungen Generation ja nun auch nicht zu tun. Aber in anderer Hinsicht erwies er sich als Quell der Information. Er konnte mich davon unterrichten, daß die Sitte – richtiger: Unsitte! – des Milchshakens aus dem angloamerikanischen Kulturkreis stamme. Vor allem in den USA sei es bei dortigen LInken sehr beliebt, Angehörige der „alt right“-Bewegung zu milchshaken. („alt-right“ bedeutet soviel wie „alternative Rechte“; das englisch-amerikanische „alt“ als Kurzform für „alternative“ hat nix mit dem deutschen „alt“ als Synonem für betagt, bejahrt zu tun.) Wenn die linken Aktivisten, die da trinkbare Nahrungsmittel verschwenden, farbig sind, hat das Milchshaken für sie sogar noch einen tieferen ideologischen, gar rassistischen Hintergrund. Denn bei denen gilt Milch als „white privileg“. Menschen mit afrikanischen oder asiatischen Wurzeln leiden häufiger an Laktose-Intoleranz als Weiße. Also sei Milch zu trinken eine Art Privileg der Weißen, und ihnen die Milch (oder ihr Shake-Produkt) zu vermiesen, hat daher offenbar einen doppelten ideologischen Wert. Und wie viele Modewellen ist das also nun von den USA nach Europa, speziell auch nach Deutschland, übergeschwappt. Wobei „überschwappen“ wohl das richtige Wort ist, wenn man in feindlicher Absicht eine klebrige Flüssigkeit auf Leute schüttet.

Wir können diese neue Form des Angriffs nicht untätig hinnehmen! Ich möchte mich nicht dazu versteigen, zu behaupten: „Ab 5.45 Uhr wird nun zurückgemilchshaked“. Erstens könnte die Aufforderung zum Milchshaken strafbar sein. (Es handelt sich immerhin um tätliche Beleidigung; möglicherweise auch um Sachbeschädigung zum Nachteil der vom Opfer getragenen Bekleidung.) Und außerdem finden morgens um 5.45 Uhr üblicherweise keine Demonstrationen statt. Oder wenn ausnahmsweise doch einmal, dann vermutlich ohne nennenswerte linke Gegendemo; die Gegendemonstranten gehören zu der Sorte Mensch, die gern lange schlafen… Aber irgendwie reagieren müssen wir schon. Wir können uns keine so einseitigen Übergriffe gefallen lassen. Zuerst einmal ist der gewöhnliche Shake (hier: Milchshake) gründlich zu analysieren. Was seine Konstistenz, namentlich seine Farbe, betrifft; und außerdem seine Herkunft. Man wird wohl ausgelacht, wenn man in ein Waffengeschäft geht und sagt, man will einen Milchshake haben. Auch wenn man glaubhaft macht, daß man ihn als quasi-Waffe, als zumindest politische Waffe im Kulturkampf, einsetzen will. Der Waffenhändler wird dafür kein Verständnis haben und eher zu Pfefferspray oder einem Schlagstock aus gutem Hickory-Holz raten. Indes gibt es eine Bezugsquelle, die in Deutschland noch sehr viel verbreiteter ist als Waffengeschäfte. (Vielleicht, weil Lizenzen für Lebensmittelverkauf leichter zu kriegen sind als für Waffenverkauf.) Je nach persönlichem Geschmack käme McDoof oder WürgerKing infrage. Beide bieten eine reichhaltige Palette an Milchshakes an. Es mag noch kleinere Anbieter geben; möglicherweise bekommt man in der einen oder anderen Dönerbude sogar einen Milchshake, aber empfehlenswert wäre, sich an die Marktführer zu halten, die in jeder Stadt mit mehr als 10.000 Einwohnern mindestens eine Filiale haben dürften.  Geschmacksrichtungen – und damt Farben! – werden von zumindest den großen Anbietern nur in drei Variationen angeboten; Erdbeer, Vanille und Schokolade. Der Erdbeershake ist rot, genauer genommen hellrot. Der Vanilleshake ist weiß, oder er hat so eine Art von weiß-gelber Farbe mit überwiegendem Weißanteil. (Wenn es originale Bourbon-Vanille ist, dann hat sie einen leichten Gelbstich, aber ich bin mir nicht sicher, ob bei den Burger-Bratern McDoof und WürgerKing so hochwertige Zutaten verarbeitet werden.) Schoko-Shakes sind braun. Und damit haben wir einen Ansatz!

Bevor wir daran denken, zurück-zushaken, pardon, zurück-zu-milchshaken, sollten wir versuchen, eine Konvention auszuarbeiten. Es geht ja nicht an, daß jeder Idiot mit beliebigen Milchshakes um sich wirft. Ein bißchen Ordnung sollte sein. Um sowohl den Medien als auch den Sicherheitskräften die Arbeit zu erleichtern, welcher Shake nun von welcher Seite kommt, wäre als Regel festzuhalten: die Linken sind NUR berechtigt, Erdbeershakes zu verwenden, weil eben rot (oder rosa). Wenn wir jemanden milchshaken wollen, beschränken wir uns auf die Geschmacksrichtung Schokolade, identisch mit der Farbe braun. Und die weißen sind der bürgerlichen Mitte vorbehalten und dürfen gegen jedermann verwendet werden, ganz nach Geschmack. Und noch etwas: Ich bin dagegen, daß Milchshaker strafrechtlich belangt werden. (Zivilrechtliche Verpflichtung zum Ersatz von Reinigungskosten ist natürlich vorbehalten.) Aber als „Strafe“ sollten sie eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, daß sie bereit sind, sich auch milchshaken zu lassen. So wird aus einer einseitigen Aktion eine echte Challenge! Vorausgesetzt, ich habe dieses bei der Jugend gleichfalls moderne Wort richtig verstanden. Da sollte ich vielleicht noch mal den Kameraden fragen, der gut ein Jahrzehnt jünger ist als ich.

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