Wahltag: Hanau – Hamburg

Wahltag: Hanau – Hamburg

Bereits unmittelbar nach dem Amoklauf eines offenbar klinisch geistesgestörten Mannes begannen die Schuldzuweisungen. Die AfD „sei mitverantwortlich“, „erst die Worte, dann die Taten“, oder in Extremfällen sogar: „Die AfD hat mitgeschossen.“

Da war es dann mal ganz interessant, die ansonsten nicht so bedeutsame Wahl im Stadtstaat Hamburg anzuschauen. Ob beziehungsweise welche Auswirkung die über alle Kanäle flimmernde oder dröhnende Hetze haben würde.

Als kurz nach 18.oo Uhr die erste Prognose veröffentlicht wurde, herrschte im Sendestudio einer GEZ-finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt lauter Jubel. Wohlgemerkt, es war kein Publikum da! Die da laut jubelten, waren „backstage“, die ganzen Helferlein, Kameraleute, Tontechniker, Beleuchter, Klemmbretthalter und sonstge Chargen. In einem öffentlich-rechtlichen Sender, der zu Auswogegenheit und Neutralität verpflichtet ist! Das gilt natürlich auch für seine Mitarbeiter; selbst die hinter der Kamera, wenn sie sich in einer Weise bemerkbar machen, die vor der Kamera oder durch die Mikrophone zu hören ist!

Der Jubel fand sich darin begründet, daß in den Prognosen die AfD bei 4,7 Prozent lag. Und da hatte man wohl die Erwartung, es werde in den Hochrechnungen und in der späteren Endauszählung nicht mehr werden.

Meistens ist das übrigens so: Prognosen beruhen darauf, daß Leute unmittelbar nach der Wahl befragt werden, wie sie gewählt haben. Die meisten antworten wahrheitsgemäß. Aber der AfD-Spitzenkandidat von Hamburg, der vormalige Innensenator Nockemann, hatte schon kurz nach 18.oo Uhr eine nachvollziehbare Erklärung, warum es diesmal anders sein könne. Er meinte nämlich: Angesichts der Hetze der letzten Tage gäbe es wohl Wähler, die sich nicht dazu bekennen möchten, AfD gewählt zu haben, wenn vielleicht der Nachbar gerade auch aus dem Wahllokal kommt und das mitkriegt…

Man merkt, daß Nockemann mal vom Fach war: in den 90-er Jahren war er leitender Beamter im Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern und zu Zeiten der Schill-Partei 2003 und 2004 sogar mal anderthalb Jahre lang Innensenator (Landesinnenminister) von Hamburg.

Die Sekt- oder Bierlaune bei Linken aller Schattierungen verblaßte immer mehr, als die ersten Hochrechnungen höhere Werte zeigten und als letztlich die sogenannte „Vorab-Auszählung“ für die AfD einen Wert von 5,3 Prozent zeigte. (Das Hamburger Wahlrecht ist komplizierter als in
anderen Bundesländern; ein „vorläufiges amtliches Endergebnis“ wird daher noch etliche Tage auf sich warten lassen.)

Kein Jubel, daß die AfD nunmehr nicht länger in allen 16 Landesparlamenten vertreten sei!

Verluste gab es natürlich trotzdem: Bei der letzten Wahl war das Ergebnis 6,1 gewesen. Also knapp ein Prozent herunter.

Aber ungleich viel heftiger hat es die CDU getroffen.Sie stürzte von 15,9 auf 11,2 Prozent ab, also um satte 4,7 Prozent. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wäre in Hamburg einstellig geworden…. Möglicherweise noch dramatischer sieht es für die FDP aus. Sie verlor jeden dritten Wähler; von 7,4 Prozent auf glatte 5 Prozent. Wobei sich bei gründlicher Zählung noch zeigen wird, ob sie damit die Hürde knapp übersprungen hat (vielleicht wie in Thüringen nur mit wenigen Dutzend Stimmen!), oder ob sie „gerissen hat“, wie ein Springreiter sagen würde.

Man sieht also: Hetze wirkt. – Aber nur ein wenig. Und für CDU und FDP hat sich das Chaos, das sie in Thüringen angerichtet haben, deutlich stärker negativ ausgewirkt.

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