Zwischen Selbstaufgabe und Verzweiflung: Dortmunder Antifa mit kritischer Reflexion

Zwischen Selbstaufgabe und Verzweiflung: Dortmunder Antifa mit kritischer Reflexion

Antifaschist in Dortmund zu sein schafft wahrlich keine Glücksgefühle: Wöchentlich führt die nationale Bewegung, insbesondere die Partei DIE RECHTE, öffentliche Aktionen durch, zumeist gänzlich ohne Gegenprotest. Wenn es einmal eine linke Gegenaktivität gibt, bleibt die Resonanz in aller Regel deutlich hinter den Erwartungen zurück und auch die 1-2 größeren „Happenings“, bei denen Genossen aus anderen Städten herangekarrt werden – wie zuletzt bei den Gegenprotesten am 14. April 2018 – verlaufen mittlerweile nach dem immer gleichen Muster. Erfolge, etwa eine blockierte „Nazidemonstration“ oder gar militante Attacken auf den politischen Gegner, hat die radikale Linke in Dortmund nicht mehr. Neuester Tiefpunkt und offenbar gleichzeitig Ausgangspunkt einer szeneinternen Debatte: Die Demonstration am 20. Juli 2018, bei der etwa 100 Aktivisten und Anwohner störungsfrei gegen den geplanten Doppelmoscheebau in Lindenhorst demonstrieren. Bei einer Veranstaltung am Donnerstag (9. August 2018) soll eine kritische Aufarbeitung stattfinden, ob Antifaschismus in Dortmund überhaupt noch eine Perspektive hat, die eigenen Kräfte vom ständigen „Abarbeiten“ an den „Nazis“ nicht völlig erschöpft seien und stattdessen nicht lieber eigene, politische Inhalte in den Fokus genommen werden sollten. Tatsächlich ist die deutsche Linke in erster Linie eine Anti-Bewegung, die sich kaum durch eigene Forderungen positioniert, weshalb die ideologische Grundeinstellung vieler Antifa-Aktivisten über ein „Nazis raus“ nicht hinausreicht.

Resignation der „Alten“ vs. Motivation der „Jungen“

Immer wieder gab es in Dortmund innerhalb der linken Szene ähnliche Diskussionsprozesse. Seit vielen Jahren beschränken sich beispielsweise die „alten Hasen“ (und Has_Innen, um politisch korrekt zu gendern) um die „Antifa Union“ und das Betreiberkollektiv des Nordpols darauf, größere Demonstrationen mit einer Gegenversammlung zu begleiten, ansonsten gibt es nennenswerte Gegenproteste lediglich bei nationalen Aktivitäten in der Nordstadt, dem Viertel, in dem das Gros der Linken wohnhaft ist. Andere Gruppen, die in der Vergangenheit entstanden sind, etwa die „Autonome Antifa 170“ oder die daraus hervorgegangene „Mean Streat Antifa“, versuchen auf jede nationale Aktivität zu reagieren und reisen gelegentlich auch in die Vororte, mußten aber feststellen, daß ihr eigenes Mobilisierungspotential eher ab- als zugenommen hat, nach Eving kamen beispielsweise gerade einmal rund 20 Gegendemonstranten, die zuvor den „Antifa-Vorabtreffpunkt“ wahrgenommen hatten. Einen Ausweg aus diesem Dilemma wird es nicht geben, insgesamt ist die bundesdeutsche Gesellschaft in Hedonismus und Lethargie gefangen, sodaß in jedem politischen Spektrum eine Schwierigkeit darin besteht, aus gesinnungsmäßigen Unterstützern auch Aktivisten zu machen – durch das Ablehnen jeglicher Verpflichtungen und Autoritäten wird diese Entwicklung in der extrem Linken freilich noch verstärkt, die Linke ist dabei sozusagen Opfer ihrer eigenen Propaganda geworden und nicht mehr in der Lage, sich selbst zu organisieren.


Quo vadis, Antifa Dortmund?

Einen Ausblick zu geben, wohin der innerlinke Diskussionsprozeß führt, fällt schwer, aber ein Blick auf die letzten Jahre zeigt: Antifaschismus ist in Dortmund viertelbezogen, selbst bei Aktionen in der Innenstadt oder dem Kreuzviertel war häufig kein Gegenprotest mehr zu verzeichnen. Es ist unwahrscheinlich, daß plötzlich Ressourcen zur Verfügung stehen, mit denen die Linke einen anderen Weg einschlagen läßt. Wahrscheinlicher ist dagegen, daß es neben dem Rückzug von herkömmlichem Aktivismus – beispielsweise optischem Gegenprotest bei der Beteiligung an Gegenversammlungen – einerseits zum Versuch kommt, eigene Inhalte mit eigenen Aktionen zu propagieren, andererseits durch militante Aktionen versucht wird, im Umgang mit „Nazis“ (und allen, die dafür gehalten werden) noch ein Lebenszeichen zu setzen. Der linke Straßenprotest gehört zumindest zu einem Auslaufmodell, an dem einerseits die langjährige Dauermobilisierung der Partei DIE RECHTE großen Anteil trägt, die sich die Straßen als Freiraum ohne Widerspruch des politischen Gegners erobert hat, andererseits die traditionell schwache, linke Szene in Dortmund, aber auch eine Polizei, die im Umgang mit Versammlungslagen mittlerweile durchaus routiniert verfährt, keine großen Spielräume zuläßt und den roten Hobbyrevoluzzern die Lust am „dagegen sein“ durchaus auch etwas genommen haben dürfte.

Quelle: „DortmundEcho“ / DIE RECHTE – Kreisverband Dortmund

Bilder: Symbolbilder

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