Ruhe in Frieden, Drago – ein Nachruf auf unseren Kameraden!

Am Donnerstag (13. Mai) verstarb nach kurzer und intensiver Krankheit unser Kamerad Drago im Alter von gerade einmal 56 Jahren. Mit ihm verlieren wir einen lebensfrohen Menschen, der wahrscheinlich auch nie gedacht hätte, ausgerechnet am Vatertag, einem geselligen Tag, der in der Regel im Kreise von Kameraden und / oder Freunden verbracht wird, von uns zu gehen. Aber das Leben ist nicht immer vorhersehbar und sein Verlust zeigt, wie schnell ein gesunder Mensch das Zeitige segnen kann. Wir werden ihn jedoch nie vergessen und sein ehrendes Andenken in der Liste der von uns gegangenen Kämpfer unserer Bewegung bewahren. Und uns gerade in Dortmund, wo wir in den vergangenen zwei Jahren mit Wolfgang Mond, Bernd Tischendorf und Markus Wüstefeld verdiente, langjährige Mitstreiter verloren haben, für immer auch an Drago erinnern.

Aus Berlin stammend und seit seiner Jugend der nationalen Sache treu, zog es Drago irgendwann nach Niedersachsen, wo er nicht nur beruflich Fuß fasste, sondern auch die „Aktionsgruppe Weserbergland“ gründete, die bundesweit bei zahllosen Veranstaltungen in Erscheinung trat. Irgendwann verschlug es Drago mit neuen, beruflichen Herausforderungen nach Dortmund, wo er zunächst im Stadtteil Germania wohnhaft war, ehe er 2015 nach Dorstfeld zog. Er war ein Mitstreiter, der bei keinem wichtigen Termin fehlte und um den sich bei Anreisen zu Demonstrationen die Leute scharten, weil er zu unterhalten wusste. In Dorstfeld war er im Stadtteil für seine Geselligkeit bekannt und in der Nachbarschaft beliebt, zwischenzeitlich betrieb er ein Café am Wilhelmplatz, das als Nachbarschaftstreffpunkt diente. Doch immer auf der Suche nach Abwechslung und neuen Herausforderungen, schloß das Café bald wieder seine Türen, seine Beliebtheit im Viertel aber blieb. Manche jüngeren Mitstreiter blickten neidisch auf die Ansammlungen hübscher, junger Frauen, die sich in den letzten Jahren um Drago bildeten, wenn er auf dem Wilhelmplatz seine Zeit verbrachte – er war ein Gentlemen und geselliger Kerl, der gut ankam. Einer mit Ecken und Kanten, mit dem sich auch durchaus einmal gestritten werden konnte, denn trotz seiner eindrucksvollen Statur, die wohl dazu führte, dass sich in Dortmund (in der Regel eher kleinwüchsige) Antifaschisten zu keinem Zeitpunkt an ihn heranwagten und stets Abstand hielten, war Drago ein emotionaler, manchmal auch etwas zickiger Charakter, der immer seinen eigenen Weg fand und seine Meinungen vertrat.

Drago kümmerte sich um junge Kameraden und gab ihnen auch Halt im Leben. Einer dieser jungen Aktivisten, den er betreute, brachte ihm im Februar 2016 eine Hausdurchsuchung ein, bei der Polizisten des Sondereinsatzkommandos seinen Hund Odin erschossen. Diese unnötige Erschießung seines lieben Hundes nahm Drago noch Jahre später mit, doch er zog die richtigen Konsequenzen und wurde in seiner Ablehnung gegen dieses System nur noch weiter bestärkt. Unvergessen sind die zahlreichen Stammtische in Dortmund, bei denen sich Drago zu Wort meldete und beim Thema „Überregionale Nachrichten“ wöchentlich auf die neuesten Schandtaten „unseres „Außenministers Heiko Maas verwies, den Drago besonders unter Beobachtung hatte und dessen antideutsches Handeln ihn sichtbar erzürnte.

Er war jemand, der gut mit Menschen reden konnte, wobei ihm seine Berliner Schnauze hilfreich war. Und jemand, der eine Vorliebe für guten, teuren Alkohol hatte und gemütliche Abende mochte, aber unpersönlichen Massenfeiern eher fernblieb. Jemand, der sich die Zeit nahm, Menschen zuzuhören und Kameradinnen und Kameraden in den verschiedensten Lebenssituationen gerne beriet. Jemand, der seinen Lebensmittelpunkt gerne in Dorstfeld hatte und im Kiez aufgegangen war. Dass er dort aber so zeitig von uns gehen würde, hätte Drago vor einigen Monaten wahrscheinlich selbst nur mit einem Lachen quittiert.

Repressionen und Schikanen konnten Drago nicht kleinkriegen, er verbrachte in seinem Leben auch Zeiten hinter Gittern und stand öfter vor Gericht. Aber das ist der Preis für jemanden, der einen Lebensweg wählt, der sich nicht den staatlich verordneten Dogmen unterwirft. So manche Straßenschlacht mitgeschlagen, war Drago jemand, auf den sich seine Kameraden auf der Straße verlassen konnten. Der politische Gegner dagegen merkte schnell, wenn Drago ihn im Visier hatte – mitunter auch bei einer Fanta im Kiosk um die Ecke.

Mit Drago verlieren wir einen Kameraden, den das Wort unangepasst wohl am besten beschreibt. Einen Charakter, der sich in keine Schublade stecken ließ und immer für Überraschungen gut war – in jeder Hinsicht. Und jemanden, der immer da war, wenn es Not tat. Wir werden all die schönen Momente in Erinnerung behalten. Genauso, wie die Kameraden, die ihm am Totenbett bis zu seinen letzten Atemzügen die Treue hielten, niemals vergessen werden, wie lange Drago noch gegen den sicheren Tod ankämpfte. Er war halt jemand, der nicht einfach aufgab – ob politisch in einer vermeintlich aussichtslosen Lage oder todkrank in den letzten Momenten seines Lebens.

Ruhe in Frieden, Drago. Wir werden auch für dich weiterkämpfen!
Deine Kameraden aus Dortmund

Unser Kamerad Drago

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