Unter Vorspielung eines Familienangehörigen, der sich in einer finanziellen Notlage befände und einen Bekannten zur Geldabholung vorbeischickt, rufen organisierte Banden, bei Senioren im betagten Alter an – Ziel dieser fiesen Masche ist es, an die Ersparnisse der Opfer zu gelangen. Regelmäßig warnt die Polizei vor dem sogenannten „Enkeltrick“, gelegentlich gelingen auch Ermittlungserfolge gegen die Strukturen, die in aller Regel von Familienclans getragen werden. Vor dem Dortmunder Amtsgericht mußten sich am Dienstag (18. Oktober 2016) zwei Männer verantworten, die im August 2016 in Dortmund festgenommen wurden, als sie versuchten, eine alte Dame um 5000 Euro zu betrügen. Sie agierten dabei als Teil eines Netzwerkes, das von oben herab, streng hierarchisch organisiert war, wie es die Staatsanwaltschaft ausdrückte.

GPS-Peilsender führte zur Festnahme in Dortmund

Ausgehend von Ermittlungen der Polizeibehörde in Freiburg waren die Beamten der Bande schon länger auf der Spur, konnten aber wenig ausrichten: Um den deutschen Strafverfolgungsbehörden zu entgehen, verstecken sich die Hintermänner im Ausland und schicken lediglich das „Fußvolk“ vor, welches die Kurierfahrten in der Bundesrepublik erledigt. Zu jenem Fußvolk zählten auch die beiden osteuropäischen Angeklagten, augenscheinlich den Roma zugehörig, die über einen längeren Zeitraum zu zweit agiert haben sollen und den Polizeibeamten aufgefallen waren. Durch einen Peilsender, der am Auto der Tatverdächtigen befestigt worden war, gelang schließlich bei einer vermeintliche Geldübergabe in Dortmund der Zugriff – die Seniorin, die durch die Forderung nach einem großen Bargeldbetrag, den ein Verwandter in Not angeblich dringend bräuchte, bereits stutzig geworden war, hatte ohnehin bereits die Polizei alarmiert, sodaß Zivilbeamte am vereinbarten Übergabeort lediglich warten mußten. In letzter Minute erkannten die Angeklagten zwar, daß sich Polizeibeamte im Nahbereich befinden, ihr Fluchtversuch scheiterte jedoch und so wanderten beide zunächst wegen bandenmäßigen Betrugs in Untersuchungshaft. In den lokalen Medien, sowie von der Polizei selbst, wurde die Festnahme im übrigen seinerzeit nicht erwähnt. Ob dabei ermittlungstaktische Gründe ausschlaggebend waren oder die Öffentlichkeit bewußt im Unklaren gelassen werden sollte, bleibt unklar.

Angeklagte gestehen Betrugsversuch vor Gericht

Letztendlich gelang es der Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen jedoch nicht, vergangene Vorfälle den beiden Angeklagten konkret zuzuordnen, sodaß sie sich in Dortmund lediglich wegen des versuchten Betruges zum Nachteil der Seniorin verantworten mußten. Während einer der beiden Angeklagten die Tat unumwunden zugab, versuchte sein Komplize zunächst, die eigene Rolle herunterzuspielen und wollte nicht gewußt haben, für welche hinterhältigen Zwecke – den Raub des Ersparten von Menschen im hohen Alter – er einen „Arbeitslohn“ erhält. Durch die Telekommunikationsüberwachung, die vom „Diensthandy“ des Angeklagten vorlag, brach der Leugnungsversuch letztendlich ein und auch der zweite Angeklagte räumte die Tat ein. Beide verweigerten aber Angaben über die Hintermänner der Enkeltrick-Mafia, da sie angeblich Folgen für sich selbst und ihre Familienangehörigen befürchteten.

Migrationshintergrund schützt vor Haftstrafe

Obwohl die Hintermänner verschleiert wurden, forderte die Staatsanwaltschaft lediglich eine Bewährungsstrafe, die mit der geringen Bedeutung der zwei Angeklagten in dem Netzwerk begründet wurde. Dieser Forderung schloß sich die Verteidigung an, welche die Strafhöhe in das Ermessen des Gerichts legte. Letztendlich wurden die beiden Angeklagten jeweils zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, von Auflagen wurde – abgesehen vom regelmäßigen Mitteilen eventueller Wohnortwechsel – abgesehen. Explizit hervorgehoben wurde in der Urteilsbegründung die Haftempfindlichkeit, die bei den Männern vorliegen würde, da beide als Ausländer nach Deutschland gekommen seien und für sie bereits die Untersuchungshaft in einem fremden Land eine massive Belastung gewesen sei – eine solche Begründung ist schlichtweg ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer der Enkeltrickbetrüger, denen im hohen Lebensalter oftmals die gesamten Ersparnisse geraubt werden. Ohne daß es für die Betroffenen eine zweite Möglichkeit gibt, das Geld zurückzuerlangen. Wenn es der Justiz nicht gelingt, die Hintermänner dingfest zu machen, ist es eine Ermunterung für potentielle Neueinsteiger in dem schmierigen Geschäft, wenn lediglich Bewährungsstrafen drohen – die polizeilichen Erfolge, die eifrige Ermittler gelegentlich erzielen, werden durch eine solche Urteilsfindung annulliert und Kriminelle für die Zukunft motiviert.

Quelle: DortmundEcho

Bild: Michael Grabscheit / pixelio.de

Leave a Reply

Your email address will not be published.