„Combat 18“: Bildzeitung unterliegt gegen Oidoxie-Sänger vor Gericht!

„Combat 18“: Bildzeitung unterliegt gegen Oidoxie-Sänger vor Gericht!

Die Bildzeitung hatte behauptet, der Sänger der Dortmunder Rechtsrockband Oidoxie, Marko Gottschalk, sei eine Führungsfigur der Gruppierung „Combat 18 (C18)“, ferner wäre der Saalschutz der Band, die „Streetfighting Crew“, eine C18-Zelle gewesen – beide Behauptungen wird das Springerblatt in Zukunft unterlassen müssen. Nach der mündlichen Verhandlung am vergangenen Mittwoch (24. Juli 2019) verkündeten die Richter des Dortmunder Landgerichtes am Dienstagvormittag (30. Juli 2019) das Urteil im Rahmen des einstweiligen Verfügungsverfahrens: Der Bildzeitung wird es zukünftig bei Androhung einer Strafe von bis zu 250.000 Euro untersagt, Marko Gottschalk als Mitglied (und somit erst recht nicht als Führungsfigur) von Combat 18 zu bezeichnen, sowie die Streetfighting Crew als entsprechende Zelle. Damit folgten die Richter dem von Gottschalks Anwalt, Dr. Björn Clemens, gestellten Antrag vollumfänglich. Im Prozeß wirkte die Bildzeitung dilettantisch und schlecht vorbereitet, die juristische Vertretung konnte noch nicht einmal belegen, wie deren Journalisten zu der Annahme kommen, Gottschalk sei ein Mitglied von „Combat 18“, letztendlich wurde auf zweifelhafte, linksextreme Rechercheseiten, sowie einen Wikipedia-Eintrag verwiesen, obwohl selbst der Bericht des NRW-NSU-Untersuchungsausschusses festgestellt hatte, daß die Band Oidoxie im Umfeld von „Combat 18“ anzusiedeln sei. Diesen Unterschied betonten auch die Richter, die nicht verkannten, daß Gottschalk zwar eine C18-Tätowierung trage, dies allerdings eine Form der Sympathiebekundung sei, aus der noch keine Mitgliedschaft geschlossen werden könne.


Das Logo der rechten Musikgruppe “Oidoxie” aus Dortmund

Innenministerium wird interessiert auf das Urteil blicken

Das Dortmunder Urteil dürfte auch im Bundesinnnenministerium, wo derzeit ein Verbot von C18 vorbereitet wird, mit großem Interesse verfolgt werden: Die Behörde von Horst Seehofer (CSU) wird belegen müssen, daß Personen wirklich Mitglieder der Organisation C18 sind und nicht etwa Sympathisanten – da es keine offiziellen Mitgliederverzeichnisse gibt und C18-Werbematerial zeitweilig über diverse Internetversände frei verkäuflich war, dürfte es in den meisten Fällen schwierig werden, gerichtsfest zu belegen, wo die Grenze zwischen Sympathisanten und Mitläufern liegt. Unabhängig davon stellt sich selbstredend die Frage, welchen Sinn eine Organisation – sofern sie denn tatsächlich überhaupt über feste Hierarchien und Organisationsstrukturen verfolgt – hat, die mit verbalradikalem Auftreten, militantem Posieren und unterschwelligem Militanzgebaren die Schlagzeilen der bundesdeutschen Hetzblätter füllt. Um in der „rechten Musikszene“ attraktiv zu sein, könnte darauf wohl verzichtet werden und die Betroffenen würden zugleich vermeiden, regelmäßig durch reißerische Artikel in die Nähe terroristischer Verwirrungen gerückt zu werden. Letztendlich bleibt aber auch nicht mehr viel Zeit, um über Sinn und Unsinn nachzudenken, denn das Verbot rückt näher und dürfte mutmaßlich nach den Sommerferien vollzogen werden. Natürlich medial aufbereitet und entsprechend zur Selbstprofilierung gewisser Politikerkreise verkauft.

Das Landgericht hat zumindest die Position von Nationalisten, denen durch Medien ohne konkrete Belege die Mitgliedschaft in Organisationen angedichtet wird, gestärkt. Gegen das Urteil kann die Bildzeitung Berufung zum Oberlandgericht Hamm einlegen, ob davon Gebrauch gemacht wird, ist bisher unklar.

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