Wer sich fragt, wo Dortmunds Polizei eigentlich zu finden ist, wenn in der Nordstadt mal wieder Senioren ausgeraubt werden, wenn im Brückstraßenviertel der Antänzer zugreift oder in der Thiergalerie der Taschendieb sein Unwesen treibt, braucht nur einige Kilometer westlich, nach Dortmund-Dorstfeld, zu schauen: Dort verweilen Polizeibeamte momentan nahezu ganztägig im Bereich des Wilhelmplatzes, um symbolisch „Flagge gegen Rechts“ zu zeigen und die Stärke unterstreichen zu wollen, die der Staat doch gegen die politisch verhaßten „Rechten“ nur allzugerne zeigen möchte. Während sich einige Beamte die Zeit mit dem Lesen von Büchern totschlagen (auf dem Marktplatz eines ruhigen Vorortes passiert in der Regel nicht allzuviel), fühlen sich andere ihrer Kollegen dazu berufen, der Hetzstimmung zu folgen, die ihre Polizeiführung gegen „Rechte“ schürt – besonders dann, wenn der eigene Status eher niedrig ist und Aufstiegschancen erhofft werden. Das kann mitunter illustre Blüten treiben, wie ein Vorfall vom Dienstagabend (1. November 2016) zeigt.

Personekontrolle wegen angeblich verbotener rechter Parole

Gegen 21.00 Uhr wurde ein Angehöriger der nationalen Opposition im Bereich des Wilhelmplatzes von Streifenpolizisten kontrolliert, die zuvor gehört haben wollten, wie dieser zu einem Bekannten „Dortmund-Dorstfeld Nazikiez“ gerufen hätte. Darin sahen die Staatsdiener, die ihre Ohren wohl spitzen, um jeden Ruf mitzubekommen, offenbar den Verdacht einer Straftat und wollten die namentlich bekannte Person polizeilich überprüfen. Während sich die Null-und-Ein-Sterne-Polizisten, die gerade frisch aus der Ausbildung in das reale Leben geschlüpft sind, wichtigtuerisch aufspielten und dem Betroffenen erklärten, daß er die Pflicht habe, sich auszuweisen (obwohl er bereits mit Namen angesprochen wurde, den Beamten also die Personalien durchaus bekannt waren), erfolgte einige Minuten später die polizeiliche Rücksprache mit der Leitstelle – mit traurigen Gesichtern mußten die Polizeibeamten abrücken, denn die Parole „Dortmund-Dorstfeld Nazikiez“ ist freilich vollkommen legal, vor allem aber ist sie eine Zustandsbeschreibung, die überhaupt erst Auslöser der polizeilichen Präsenz im Stadtteil ist. Angesichts solcher Maßnahmen dürfte sich der interessierte und informierte Leser jedoch fragen, ob es in Dortmund keine anderen Probleme gibt als einen Herbstabend damit zu verbringen, Parolen aufzuschnappen und hoffnungsvoll, ja fast entgegenfiebernd, eine Straftat aufspüren zu wollen – der Einbrecher, der ein paar Straßen weiter sein Unwesen treibt, wird sich gefreut haben.

Übrigens: Während die Polizei in der vergangenen Woche fast durchgängige Präsenz auf dem Wilhelmplatz zeigte, ereigneten sich in den Seitenstraßen mehrere Einbrüche. Sicherlich sind das wohl nur Kollateralschäden, solange die Fahne im „Kampf gegen Rechts“ hochgehalten wird…

Quelle: DortmundEcho

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